H3 Fachgespräch · SHK-Meisterbetrieb
Trinkwasserhygiene beginnt in der Installation.
Warum Leitungsführung, Temperaturen, Zirkulation und regelmäßiger Wasseraustausch darüber entscheiden, ob Trinkwasser im Gebäude hygienisch einwandfrei bleibt.
Kurzüberblick
Vier Faktoren prägen die Trinkwasserhygiene im Gebäude.
Regelmäßiger Wasseraustausch statt unnötiger Stagnation.
Warmwasser halten und Kaltwasser vor Erwärmung schützen.
Zirkulation und Durchströmung müssen tatsächlich funktionieren.
Umbauten und ungenutzte Leitungswege fachlich mitbewerten.
Das Fachgespräch
Sauberes Trinkwasser braucht eine hygienisch sinnvolle Installation.
Was bedeutet Trinkwasserhygiene im Gebäude eigentlich ganz praktisch?
Im Grunde geht es darum, die Qualität des Trinkwassers vom Hausanschluss bis zur letzten Entnahmestelle zu erhalten.
Ab dem Moment, in dem Wasser in die Gebäudeinstallation gelangt, spielt die Installation selbst eine entscheidende Rolle: Leitungsführung, Temperaturen, regelmäßiger Wasseraustausch, Zirkulation, Dimensionierung und die tatsächliche Nutzung.
Eine Installation kann technisch dicht sein und funktionieren und hygienisch trotzdem nicht optimal aufgebaut oder betrieben werden.
Trinkwasserhygiene beginnt deshalb nicht erst dann, wenn irgendwann eine auffällige Probe vorliegt. Sie ist bereits bei Planung, Ausführung, Nutzung und Betrieb der gesamten Installation zu berücksichtigen.
Wie kann sauberes Trinkwasser innerhalb eines Gebäudes überhaupt zum Problem werden?
Trinkwasser kommt in der Regel in guter Qualität im Gebäude an. Probleme können innerhalb der Installation entstehen, wenn die Bedingungen ungünstig werden.
Dazu gehören zum Beispiel ein fehlender Wasseraustausch über längere Zeit, eine zu starke Erwärmung des Kaltwassers, ungünstige Warmwassertemperaturen, schlecht durchströmte Bereiche oder Leitungsabschnitte, die kaum noch genutzt werden.
Gerade in Bestandsgebäuden kommen häufig Erweiterungen, Umbauten und teilweise stillgelegte Leitungsbereiche aus verschiedenen Jahrzehnten zusammen. Dann können mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig auftreten.
Deshalb sollte bei hygienischen Auffälligkeiten nicht nur die einzelne Entnahmestelle betrachtet werden, sondern die gesamte Installation und ihre tatsächliche Nutzung.
Gerade in Bestandsgebäuden in Hamburg-Wandsbek treffen häufig Trinkwasserinstallationen aus unterschiedlichen Baujahren, spätere Erweiterungen und teilweise stillgelegte Leitungsbereiche aufeinander.
Können ältere Trinkwasserinstallationen mit modernen Anlagen überhaupt mithalten?
Viele ältere Trinkwasserinstallationen wurden nach den Regeln und dem Wissensstand ihrer Zeit fachgerecht geplant und ausgeführt. Wissenschaft, Technik und insbesondere das Wissen über Trinkwasserhygiene haben sich jedoch weiterentwickelt.
Heute werden Themen wie Stagnation, Wasseraustausch, Temperaturhaltung, Zirkulation und Leitungsführung bewusster betrachtet als noch vor Jahrzehnten.
Eine alte Installation ist deshalb nicht automatisch problematisch. Umgekehrt ist sie aber auch nicht automatisch hygienisch optimal, nur weil sie seit 30 oder 40 Jahren funktioniert.
Bei Umbauten oder Sanierungen sollte deshalb geprüft werden, welche Bereiche sinnvoll erhalten werden können und wo eine moderne Lösung technisch und hygienisch Vorteile bietet.
Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema Legionellen. Problematisch ist in der Regel nicht das Trinken des Wassers, sondern das Einatmen fein verteilter, belasteter Wassertröpfchen - typischerweise beim Duschen. Besonders gefährdet sind unter anderem ältere Menschen, Raucher sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.
Warum ist stehendes Wasser in Leitungen so ein großes Thema?
Trinkwasser ist für einen regelmäßigen Wasseraustausch vorgesehen. Bei normaler Nutzung passiert das in einer sinnvoll aufgebauten Installation weitgehend automatisch.
Problematisch können Bereiche werden, die nur selten genutzt werden - zum Beispiel wenig verwendete Entnahmestellen, längere Leerstände, alte Anschlussleitungen oder Leitungsabschnitte, die nach Umbauten eigentlich nicht mehr benötigt werden.
Gerade bei Umbauten sollte deshalb nicht nur betrachtet werden, was neu hinzukommt, sondern auch, welche Leitungsbereiche anschließend noch sinnvoll benötigt werden.
Der entscheidende Punkt ist also nicht, ob eine Leitung alt oder neu ist, sondern ob regelmäßig Wasser ausgetauscht wird und die Installation so aufgebaut ist, dass unnötige Stagnationsbereiche vermieden werden.
Welche Rolle spielen die Temperaturen von Warm- und Kaltwasser für die Trinkwasserhygiene?
Die Temperaturen spielen eine große Rolle, weil sich Mikroorganismen in bestimmten Temperaturbereichen besonders gut vermehren können.
Beim Warmwasser geht es darum, die für die Anlage vorgesehenen Temperaturen zuverlässig einzuhalten. Beim Kaltwasser muss umgekehrt verhindert werden, dass es sich innerhalb des Gebäudes unnötig erwärmt.
Damit werden auch Leitungsführung, Dämmung, Speicher und Zirkulation zu hygienischen Themen.
Das zeigt ganz gut, dass Trinkwasserhygiene nicht erst bei einer Probe oder einer Desinfektion beginnt, sondern bereits bei Planung und Betrieb der Installation.
„Trinkwasserhygiene beginnt nicht erst bei einer auffälligen Probe, sondern bereits bei Planung, Ausführung, Nutzung und Betrieb.“
Welche Rolle spielt die Warmwasserzirkulation bei der Trinkwasserhygiene?
In größeren Warmwassersystemen sorgt die Zirkulation dafür, dass erwärmtes Wasser in Bewegung bleibt und auch in weiter entfernten Leitungsbereichen die vorgesehenen Temperaturen gehalten werden.
Das Vorhandensein einer Zirkulationsleitung allein reicht allerdings nicht aus. Die Hydraulik muss so funktionieren, dass die relevanten Bereiche ausreichend durchströmt werden.
Speicher, Zirkulationspumpe, hydraulischer Abgleich, Temperaturen und Leitungsführung müssen deshalb zusammenpassen.
Eine Zirkulationsanlage ist also kein einzelnes Bauteil, sondern Teil des gesamten hygienischen und hydraulischen Systems.
Muss nach jeder Reparatur an einer Trinkwasserleitung gleich die komplette Anlage desinfiziert werden?
Nein.
Eine kurze, kontrollierte Reparatur an einem begrenzten Leitungsabschnitt ist etwas anderes als umfangreiche Arbeiten an der Installation oder eine längere Außerbetriebnahme.
Welche Maßnahmen bei der Wiederinbetriebnahme notwendig sind, hängt deshalb vom tatsächlichen Eingriff und vom Zustand der Anlage ab.
Bei einer fachgerecht ausgeführten kleinen Reparatur kann ein ordnungsgemäßes Spülen ausreichend sein. Bei größeren Arbeiten oder hygienischen Auffälligkeiten können weitergehende Maßnahmen notwendig werden.
Man sollte deshalb nicht nach jedem Eingriff automatisch dasselbe Programm durchführen, sondern die Maßnahmen an die tatsächliche Situation anpassen.
Was passiert eigentlich, wenn bei einer Untersuchung Legionellen festgestellt werden?
Dafür gibt es einen klar geregelten Ablauf.
Zunächst wird das Untersuchungsergebnis bewertet. Wird der technische Maßnahmenwert erreicht oder überschritten, muss der Betreiber tätig werden.
Dann geht es nicht darum, einfach nur zu desinfizieren, sondern zunächst die Ursache zu ermitteln. Dazu gehören eine Besichtigung der Installation und die Prüfung, ob die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden.
Anschließend wird eine schriftliche Risikoabschätzung erstellt - früher wurde dafür häufig der Begriff Gefährdungsanalyse verwendet. Dabei werden unter anderem Untersuchungsergebnisse, Temperaturen, Zirkulation, mögliche Stagnationsbereiche und technische oder hygienische Auffälligkeiten betrachtet.
Auf dieser Grundlage werden die erforderlichen Maßnahmen festgelegt. Das können technische Veränderungen an der Anlage, Spülmaßnahmen, eine Desinfektion oder auch
die Beseitigung problematischer Leitungsabschnitte sein.
Nach der Umsetzung müssen die Maßnahmen dokumentiert und ihr Erfolg kontrolliert werden.
Nicht die Kontamination allein bestimmt also die Lösung, sondern die festgestellte Ursache und die daraus abgeleitete Risikoabschätzung.
Reicht es bei einer Kontamination, die Anlage einfach zu desinfizieren?
Nein.
Eine Desinfektion kann Bestandteil der Maßnahmen sein, sie ersetzt aber nicht die Beseitigung der eigentlichen Ursache.
Wenn zum Beispiel ungünstige Temperaturen, Stagnationsbereiche, eine nicht richtig funktionierende Zirkulation oder andere technische Mängel zur Kontamination beigetragen haben, müssen genau diese Punkte ebenfalls bearbeitet werden.
Sonst wird lediglich die Folge behandelt und das Problem kann erneut auftreten.
Technische Bewertung, Festlegung der Maßnahmen und anschließende Erfolgskontrolle gehören deshalb zusammen. Eine Desinfektion ist kein Ersatz für die fachgerechte Beseitigung der Ursache.
Was ist beim Thema Trinkwasserhygiene besonders wichtig?
Entscheidend ist, die Trinkwasserinstallation als Gesamtsystem zu betrachten.
Planung, Leitungsführung, Temperaturen, Zirkulation, regelmäßiger Wasseraustausch, Nutzung und spätere Umbauten beeinflussen sich gegenseitig.
Eine Änderung an einer Stelle kann deshalb Auswirkungen auf andere Bereiche der Installation haben.
Gerade im Bestand ist Erfahrung wichtig, weil dort häufig Installationen aus unterschiedlichen Jahrzehnten, nach verschiedenen technischen Standards und mit mehreren späteren Umbauten zusammenkommen.
Das Ziel ist eine Installation, die technisch zuverlässig funktioniert und gleichzeitig unter den tatsächlichen Nutzungsbedingungen hygienisch sinnvoll betrieben werden kann.
H3 Fazit
Trinkwasserinstallation als Gesamtsystem betrachten.
Planung, Leitungsführung, Temperaturen, Zirkulation, Nutzung und spätere Umbauten beeinflussen sich gegenseitig. Gerade im Bestand entscheidet die fachliche Gesamtbewertung über eine technisch zuverlässige und hygienisch sinnvolle Lösung.
Meisterwissen. Verständlich erklärt. Technisch eingeordnet.Trinkwasserinstallation in Hamburg-Wandsbek prüfen lassen?
Technik und Hygiene gemeinsam beurteilen lassen.
Für private Eigentümer, Hausverwaltungen, WEG und Gewerbekunden in Hamburg und Umgebung.
